DFÜ-Modem TS 144

Ich habe beim Aufräumen mein altes DFÜ-Modem wiedergefunden. Man hat direkt wieder das typische Pfeifen und Rauschen im Ohr, welches beim Verbindungsaufbau durch den Lautsprecher kommt. Auf dem Modem ist leider kein Hersteller angegeben, und die Bedienungsanleitung gibt es auch nicht mehr.

Neben der Hardware habe ich sogar noch die alte Rechnung für das Modem gefunden. Gekauft habe ich das Modem gemäß Rechnung am 13.12.1993, und es hat damals 410,55 DM gekostet. Ein stolzer Preis für ein Modem. Wollte man 10 MB übertragen, hat das mit dem Modem min. 1,5 Std. gedauert. Internet lief damals halt über einen Klingeldraht.

Verwendung

Tja, was habe ich eigentlich damals mit dem Modem gemacht? Ich wohnte zu der Zeit noch in meinem Elternhaus. Dort hatten wir eine analoge Telefonleitung. Soll heißen, entweder telefonieren oder Datenfernübertragung. Ich hatte ein langes Kabel mit einem TAE-Stecker. Der Anschlussstecker kam in die ‘Monopoldose’ der Post. Natürlich musste dazu das Telefon, ein FeTAp 615 in orange, herausgezogen werden.

Der Computer wählte sich in eine Mailbox in Bremerhaven ein, die Fishtwn2. Die Mailbox gehörte dem Z-Netz an. Die Software, dafür war damals ein sog. Pointprogramm. Ich verwendete Crosspoint von Peter Mandrella. Zu der Zeit gab es auch noch Dienste, wie z.B. CompuServe, die ich sporadisch benutzt habe. Außerdem fingen die AOL-Leute an, praktisch jede Computerzeitschrift am Markt, mit ihren CDs zu fluten. Auf den Datenträgern war die Zugangssoftware für AOL.

Technik

Aber zurück zum Modem. An der Frontseite gibt es ein paar Statusanzeigen, die folgende Bedeutung haben:

LED-Anzeige Bedeutung
MNP Microcom Networking Protocol, Fehlerkorrektur und Datenkompression aktiv
M4 Unterdrückung der Einwahltöne
OK DFÜ-Verbindung erfolgreich aufgebaut
M5 Empfangssignalpegel vorhanden, Data Carrier Detect
OH off-hook, das Modem hat den Hörer abgenommen
D2 Daten werden empfangen, Receive Data
D1 Daten werden gesendet, Transmit Data
S1 Gerät betriebsbereit, Data Terminal Ready
ON Statusanzeige / Modem ist eingeschaltet

Die Ansteuerung des Modems vom PC aus erfolgte mittels AT-Befehlen. Diese Aufgabe übernahm die Software. Das Modem war dazu über die serielle Schnittstelle (RS232) an den Rechner angeschlossen. Mein PC hatte eine 9-polige Sub-D-Buchse. Am Modem ist ein 25-poliger Anschluss, der entsprechend adaptiert werden musste.

Der Anschluss an das analoge Telefonnetz wird über eine RJ11-Buchse realisiert. Wenn ich mich richtig erinnere, funktionierte bei uns zuhause nur das Impulswahlverfahren (IWF). Die Einwahl auf ein anderes System ging also recht gemächlich vonstatten. Nach der Einwahl ging das Handshake-Verfahren zwischen beiden Teilnehmern los. Dabei versuchen beide Modems zuerst die maximale Datenrate in Abhängigkeit der Leitungsqualität hinzubekommmen. Funktioniert das nicht, wird die Geschwindigkeit reduziert. Ich hatte mein Modem so konfiguriert, das bei der Anwahl immer der Lautsprecher an war. Man konnte schon hören, wenn die Verbindung schlecht war, und die Datenrate in den Keller ging. Also, was macht man? Man unterbricht die Verbindung, und startet einen neuen Einwahlversuch.

Innenleben

Ich habe die alte Kiste natürlich aufgeschraubt, um ihr unter die Haube zu schauen. Der große Chip oben links ist das eigentliche Modem. Es handelt sich um einen RC144DP von Rockwell. Rockwell bzw. das Tochterunternehmen Rockwell Semiconductor war damals bekannt für seine Modem-Chipsätze.

Der in meinem Gerät verbaute Chip kann V.90, K56flex, V.34 und V.32bis. Als Microcontroller ist ein 8-Bit Microcontroller Typ W78C31B von Winbond verbaut. Ihm zur Seite steht 32k x8 Static RAM Typ W24257-70L, ebenfalls von Winbond. Die Firmware, offenbar die Version V3.10, befindet sich in einem EPROM vom Typ M270512 (512kbit 64k x8).

Ach ja, man wird direkt etwas wehmütig, bei dem alten Modem. Bei all diesen schönen Erinnerungen an die Vergangenheit, vergisst man allerdings gern die unendliche Langsamkeit, mit der alles lief. Die Anzeige von Bildern dauert eine halbe Ewigkeit, und die Leitung brach natürlich immer dann zusammen, wenn man mit dem Download fast fertig war….