Lübeck

Um ein wenig dem Alltag zu entfliehen und einmal raus zu kommen aus dem Trott, haben wir das Wochenende in Lübeck verbracht. Wir fahren am Freitag gegen Mittag hier in Bremen los. Wir brauchen zwei Stunden bis zum Citti-Park (OSM) am Stadtrand von Lübeck. Hier machen wir einen kleinen Zwischenstopp. Kurz nach 15:00 kommen wir dann am Park Inn Hotel, direkt am Holstentor an.

Holstentor

Wir haben uns für zwei Übernachtungen eingemietet. Wir bringen unsere Sachen aufs Zimmer und stellen den Wagen in der Nähe in einem Parkhaus (Tagessatz 7,50€) ab.

Bei bedecktem Himmel starten wir eine erste Erkundungstour durch die Hansestadt. Zuerst geht es zum Holstentor, dem Wahrzeichen der Stadt.

Rathaus Lübeck

Das Holstentor wirkt von vorne gesehen etwas schief und sackt in der Mitte zusammen, als wäre es aus Marzipan und hätte zu lange in der Sonne gestanden. Das Tor ist in der Tat im Laufe der Zeit ein wenig abgesackt. Um zu verhindern, dass das Tor sich weiter Richtung Wallanlagen neigt, musste es in den 1930’er Jahren restauriert werden. Auf der Rückseite der alten 50 DM-Scheine war übrigens die sogenannte Feldseite vom Holstentor abgebildet.

Gleich hinter dem Tor treffen wir auf das erste Geschäft mit Lübecker Marzipan. Wir schauen uns um, kaufen aber nichts. Die Preise sind doch recht üppig. Man findet sehr viel Marzipanbruch, welches gleich kiloweise verkauft wird.Wir gehen weiter die Straße hoch bis zum Kohlmarkt. Auf dem Markt vor dem Rathaus ist eine Schlittschuhbahn aufgebaut. Hier ist ordentlich was los. Ein wenig Hunger macht sich bei uns breit und wir laufen weiter zum Klingenberg (OSM). Ziel ist das Schlottmanns mit seinen Kartoffelgerichten. Hier essen wir eine Kleinigkeit.

Lübecker Fensterbank

Nach der Stärkung laufen wir die Mühlenstraße hinunter. Hier reiht sich ein Friseurgeschäft an das nächste und jedes ist voll mit Kunden. Eigentlich ist Lübeck die heimliche Hauptstadt der Kopfgärtner. Im Süden der Altstadt liegt der Lübecker Dom, den wir uns ansehen wollen. Wir sind ein wenig spät dran und die Tore sind schon verschlossen. Lübeck hat eine hohe Anzahl von Kirchen. Über der Altstadt erheben sich sieben Kirchtürme von fünf Kirchen. Daher kommt die Bezeichnung “Stadt der sieben Türme“. Die Stadtsilhouette mit den Kirchtürmen findet man übrigens auch auf dem Logo der Marmeladenfabrik aus Bad Schwartau. Aber zurück zum Dom. Da dieser schon verschlossen ist, laufen wir zurück Richtung Rathaus. In der Nähe befindet sich die Propsteikirche, die noch offen ist. In der Krypta der Kirche befindet sich die Gedenkstätte der Lübecker Märtyrer. Die Lübecker Märtyrer waren vier Geistliche, die während der NS-Zeit Widerstand leisteten und dafür hingerichtet wurden. Wir sind die einzigen Besucher und treffen in der Gedenkstätte auf Bärbel Baum, die hier ehrenamtlich tätig ist und uns einlädt, uns in Ruhe umzuschauen. Sie erzählt uns ein wenig zur Geschichte der Lübecker Märtyrer.

Danach gehen wir zurück zum Rathaus. Hinter dem Rathaus, auf dem “Schrangen” genannten Platz ist ein kleiner Winterwald mit Buden aufgebaut. Hier lassen wir uns nieder und trinken heißen Bratapfelpunsch mit Schuss. Danach tingeln wir noch ein wenig die Breite Straße herunter und beschließen im Bolero noch einen Absacker zu trinken. Dann geht es zurück ins Hotel.

Winterwald

Der nächste Tag. Wir wollen in der Stadt frühstücken gehen. Am Abend hatten wir uns schon ein Cafe ausgesucht. Unser Ziel ist das Cafe Calma in der Hüxstraße. Als wir vor dem Cafe stehen, denke ich: Ach du Scheiße, ist der Laden klein und komplett voll. Hier bekommen wir bestimmt keinen Platz mehr!

Wir gehen erstmal rein und schauen. Was soll ich sagen, die äußere Ansicht täuscht! Drinnen ist wesentlich mehr Platz als man von außen einsehen kann. Das Cafe geht noch viel weiter nach hinten in das Gebäude hinein. Es gibt viele freie Tische, die aber alle reserviert sind. Ganz hinten bekommen wir dann aber doch noch einen (Katzen-)Tisch, direkt am Ofen. Ich muss direkt Jacke und Pullover ausziehen, damit ich keinen Hitzeschlag bekomme. Im T-Shirt ist es dann angenehm.

Lübecker Altstadt

Wir ordern ein Ranger-Frühstück (große Portion Rührei mit Speck) und ein Gourmetfrühstück. Das Gourmetfrühstück kommt auf einer Etagere. Der kleine Tisch ist komplett mit Frühstück zugestellt. So habe ich mir das vorgestellt. Wir verbringen ca. eineinhalb Stunden hier. Das Frühstück ist total chillig und wir sind maximal entschleunigt. Danach starten wir unseren Bummel durch die Stadt. Wir streifen im Zickzack durch die Altstadt. Überall gibt es kleine Läden. Von den Hauptstraßen zweigen viele Gänge ab, die Zugang zu teilweise versteckten Hinterhöfen gewähren. Laut Wikipedia gibt es in der Altstadt über 100 solcher Gänge.

Bäckergang

So verbringen wir Stunden damit, die Stadt zu erkunden. Das Wetter hält sich, nur ab und zu fällt, fast nicht zu sehen, leichter Schnee. Zwischendurch wärmen wir uns bei heißer Schokolade in einem der vielen Cafes auf.

Am Ende der Breiten Straße liegt die Jakobikirche, die wir uns von innen anschauen. In der Turmkapelle gibtes seit 2007 die “Gedenkstätte für die zivile Seefahrt”. Dort befindet sich das Wrack eines Rettungsbootes der 1957 gesunkenen Viermastbark Pamir. Zudem sind die Namen der bei dem Untergang ums Leben gekommenen Besatzungsmitglieder in den Boden eingelassen.

Rettungsboot der Pamir

Direkt im Anschluss besuchen wir zwei weitere Kirchen, die Marienkirche und die Petrikirche. Die Marienkirche ist gleich neben dem Rathaus. Auf der Außenseite, die Richtung Rathaus zeigt, sitzt der Teufel in Form eine Bronzeskulptur auf einem Stein. Davor steht gerade eine Touristengruppe. Wir hören kurz mit, was der Touristenführer über den Teufel erzählt. Der Sage nach soll der Teufel beim Bau der Marienkirche beteiligt gewesen sein. Nur war er in dem Irrglauben, es würde ein Wirtshaus gebaut.

Teufel

Unerwarteterweise gibt es gleich hinter dem Eingang zur Kirche eine Kasse. Wir bezahlen 2,-€ pro Person Eintritt. Die Kirche ist allerdings auch recht beeindruckend und gilt als “Mutterkirche der Backsteingothik”. Selbst ich als Kunstbanause kann dem Bauwerk etwas abgewinnen. Es gibt z.B. das sogenannte “Antwerpener Retabel”, einen geschnitzten Altar aus dem Jahre 1522. Faszinierender finde ich allerdings die Astronomische Uhr, da Technik. Das Original war aus dem Jahre 1561, wurde allerdings 1942 komplett zerstört. Schade. Ab 1955 wurde die Uhr neu aufgebaut. Sie hat zwei große übereinanderliegende Scheiben. Die obere Scheibe zeigt Tierkreiszeichen. Die untere Scheibe besteht aus mehreren Ringen, die Tag, Monat, Sonnen- und Mondstand anzeigen. Geiles Teil!

Astronomische Uhr

Unter dem südliche Turm liegen noch die beiden Glocken, die 1942 aus 60m Höhe abstürzen und auf dem Boden zerschellten.

Die letzte Kirche, die wir uns heute ansehen, ist die Petrikirche. Die Kirche ist von innen sehr unspektakulär, da leer! Sie wurde ebenfalls 1942 stark beschädigt und beim Wiederaufbau innen nicht mehr in der ursprünglichen Innenausstattung aufgebaut. Dafür kann man heutzutage mit dem Fahrstuhl auf die Aussichtsplattform in 50 m Höhe fahren. Für die Fahrt auf den Aussichtsturm zahlen wir 4,-€ pro Person. Oben angekommen, hat man eine tolle Aussicht auf Lübeck.Es ist allerdings bitterkalt und der Wind pfeift uns um die Ohren.

Holstentor von St. Petri aus gesehen

Trotz der tollen Aussicht halten wir es hier nur 20 Minuten aus. Es ist einfach zu kalt hier oben. Also nichts wie wieder runter und irgendwo rein, wo wir uns aufwärmen können.

Holstentor als Marzipanform

Unsere Wahl fällt auf das Cafe Niederegger im ersten Stock des Stammhauses. Im Marzipangeschäft im Erdgeschoss ist schon viel los. Touristen -wie wir- kaufen Marzipan. Wir gehen allerdings nach hinten durch zur Treppe und in den ersten Stock. Hier sieht es nicht viel besser aus. Das Cafe ist rappelvoll. Wir sind auch gerade zur besten Kaffee- und Kuchenzeit hier. Naja, mal schauen ob wir einen Platz bekommen. Wir haben Glück und bekommen einen kleinen Tisch für zwei Personen. Den Kuchen bestellt man direkt an der Kuchentheke. Dort bekommt man einen Zettel, welchen Kuchen man geordert hat und diesen gibt man dann der Bedienung. Die Auswahl ist, gelinde gesagt, die Hölle! Ich bin etwas überfordert und bestelle mir die weit über die Grenzen Lübecks bekannte Nusstorte mit Marzipan. Meine Begleitung bestellt Marzipanwaffel mit Apfelmus. Beides schmeckt super. Die Atmosphäre im Cafe ist recht gediegen.

Marzipanfiguren bei Niederegger

Im zweiten Stock befindet sich ein kleines Marzipanmuseum. Dort werden z.B. Formen ausgestellt, in die früher Marzipan zum Abformen gepresst wurde. Diese Formen wurden aus Schwefel gegossen (Negativform). Zuvor hat man das Motiv auf Holz geschnitzt (Positivform). Außerdem gibt es lebensgroße Figuren komplett aus Marzipan geformt, die an einer Tafel sitzen. Es gibt zwar ein Schild mit “Bitte nicht berühren”, aber die Leute haben am Rand schon überall angefasst, um die Echtheit des Marzipans zu prüfen. Man kann sehen, dass hier schon öfter ausgebessert werden musste. Nach dem Besuch bei Niederegger sind wir gut gesättigt und laufen zurück ins Hotel, um uns ein wenig auszuruhen.

Schiffergesellschaft

Abends geht es dann nochmal in die Stadt zum essen. Wir laufen zur Schiffergesellschaft in der Breiten Straße. Wir haben wieder einmal Glück und bekommen trotz nicht vorhandener Reservierung einen Platz. Im Innenraum gibt es große Gemälde von 1624 an beiden Außenwänden, die Stellen aus der Bibel zeigen. Von der Decke hängen überall alte Schiffsmodelle herab. Die Schiffergesellschaft ist eine echte Empfehlung, man sollte sie von innen einmal gesehen haben. Wir sind allerdings primär nicht wegen dem schönen Inneren hier, sondern um zu essen. Wir bestellen uns eine “große Ostseescholle” und “Duett vom Rotbarsch”. Das Essen ist sehr lecker. Pappsatt sind wir froh, dass wir zum Hotel noch ein wenig laufen müssen.

2-Minuten-Sicht auf die Passat

Der letzte Tag. Wir frühstücken im Hotel. Das Wetter ist leider schlechter geworden. Draußen fällt Schnee und es ist nasskalt. Nach dem Frühstück checken wir aus und brechen auf nach Travemünde. Wir erreichen den Parkplatz (OSM) am alten Leuchtturm bei Schneefall. Wir investieren 4,-€ für ein Parkticket und laufen entlang der Trave Richtung Strand. Diese Investition ist eine klassische Fehlentscheidung. Inzwischen ist dichtes Schneetreiben und bei dem starken Ostwind kommt der Schnee waagerecht angeflogen. Hebt man den Kopf hat man das Gefühl als bekomme man Eishagel direkt ins Gesicht. Die auf der anderen Seite der Trave liegende Viermastbark Passat ist fast nicht zu erkennen. Nach einer halben Stunden brechen wir ab und flüchten uns in unser Auto. Wir sind komplett nass und durchgefroren. Die Autoscheiben beschlagen von innen, und ich muss das Auto zehn Minuten mit maximaler Lüftung laufen lassen, ehe man wieder nach draußen schauen kann. Das habe ich mir anders vorgestellt. So macht Travemünde keinen Spass! Also fahren wir weiter die Küste hoch. Vielleicht reißt es unterwegs doch noch auf und das Wetter wird besser.

Timmendorfer Strand

Wir erreichen Timmendorfer Strand und es hat zumindest schon einmal aufgehört zu schneien. Wir parken in der Nähe vom Hotel Seeschlösschen. Dort gibt es die gleichnamige Seeschlösschenbrücke, die 150m in die Ostsee hineinragt. Auf dem Brückenkopf befindet sich das Cafe Wolkenlos. Hier wollen wir uns aufwärmen. Auf der Landseite steht extra ein Schild “Wir haben geöffnet!”. Anscheinend hat niemand Lust bei so einem Wetter die 150m über die tosende See zu laufen.

Im Cafe ist dann doch einiges los. Wir wärmen uns bei heißer Schokolade auf, und geniesen den Blick auf die stürmische Ostsee.

Seeschlösschenbrücke

Wir fahren nach unserem Stopp noch weiter bis Scharbeutz, steigen alledings nicht mehr aus. In Scharbeutz biegen wir ab auf die Autobahn A1 in zurück nach Bremen.