Weintour 2017 – Dresden, Teil 1

Unsere Truppe war wieder auf Weintour! Diesmal waren wir mitten im Tal der Ahnungslosen, im östlichen Geltungsbereich des Euros, in Dresden. Die Anreise verläuft bis bis in die Gegend von Halle/Leipzig problemlos, dann stehen wir eine dreiviertel Stunde im Stau. Die weiteste Anreise hatte aber eine Freundin aus England, mit Flughafen-Hopping über Bristol, Brüssel, Frankfurt und letztendlich Dresden, hinter sich.

Dreisprachiger Wegweiser

Am späten Nachmittag sind wir jedenfalls alle in der Ferienwohnung angekommen. Die Ferienwohnung (OSM) liegt in Pirna und ist gut ausgestattet. Von der Ferienwohnung aus muss man nur über die Elbe laufen und ist direkt in der Altstadt von Pirna.

Wir laufen jedoch in die andere Richtung, zum Brauhaus “Zum Giesser”. Dort gibt es deftiges Essen. Danach lassen wir den Tag mit etwas Rotwein in der Ferienwohnung ausklingen.

Marktplatz Pirna

Am nächsten Tag ist das Wetter zwar so lala, aber es regnet zumindest nicht. Wir machen einen Rundgang durch Pirna. Am alten Markt lassen wir uns draußen bei der Schokoladenkunst nieder und trinken heiße Schokolade. Wir entscheiden uns mit der Sächsischen Dampfschifffahrtsgesellschaft die Elbe hinauf, nach Königstein zufahren. Am Anleger (OSM) der warten schon einige Leute. Das Publikum ist schon ein wenig älter und wir ziehen den Altersdurchschnitt merklich nach unten. Ein Ticket von Pirna nach Königstein kostet 16,50€ pro Person. Der Dampfer kommt. Die “Stadt Wehlen” ist ein alter Schaufelraddampfer und wurde 1879 in der Schiffswerft Blasewitz gebaut.  Stilecht geht die Dampfpfeife los und signalisiert die Abfahrt. In gemächlicher Fahrt geht es die Elbe flussaufwärts.

PD Wehlen

Der erste Zwischenstopp ist der Anleger Wehlen (OSM). Wir schauen uns das Anlegemanöver kritisch an, sind wir doch gespannt ob es schwierig ist mit dem Raddampfer gut an die Pier zu kommen. Zu unserer Enttäuschung müssen wir feststellen, dass der alter Dampfer inzwischen mit einem Bugstrahlruder ausgestattet ist. Naja, es ist halt nicht alles alt auf der PD Wehlen.

Dampfmaschine

Unter lautem Getöse der Dampfpfeife legen wir ab, und die Fahrt geht weiter die Elbe aufwärts. Die Wolken über der sächsischen Schweiz werden immer dunkler und leichter Nieselregen setzt ein. Wir flüchten in Schiffsinnere. Dort hat man direkten Einblick in die Antriebsanlage. Die inzwischen mit Heizöl befeuerte Dampfmaschine zuckelt im beruhigendem Takt vor sich hin. an den Wänden gibt es Informationstafeln zur Geschichte und Technik des Dampfers.

Basteibrücke

Wir kommen an der Bastei vorbei. Schon von weitem sieht man die Gaststätte auf dem Hochplateau. Die Basteibrücke sieht man erst gut, wenn der Dampfer quer ab ist. Die Aussichtsplattform ist inzwischen für Besucher gesperrt, da der Felsen instabil ist.

Wir erreichen den Anleger Rathen (OSM) und das Wetter bleibt schlecht. In Rathen gibt es eine Besonderheit auf der Elbe. Mit der antriebslosen Gierseilfähre “Bergland” kann man dort über die Elbe übersetzen. Das Funktionsprinzip findet man auf Wikipedia. Auf dem letzten Streckenabschnitt vor Königstein wird das Wetter nochmal schlechter, und es fängt richtig an zu regnen. Wir erreichen Königstein nach ca. zwei Stunden Fahrt. Wir entschließen uns bei so einem Schietwetter nicht auf die Festung Königstein hochzulaufen, sondern zurück nach Pirna zu fahren. Zum Glück ist die Bahnstrecke unmittelbar an der Elbe auf einem Viadukt.

Gartenstraße Pirna

Der Bahnhof Königstein ist nur 100m vom Anleger entfernt. Wir müssen nur 10 Minuten warten, dann kommt auch schon die Regionalbahn zurück nach Pirna. Die Fahrt gerade einmal 20 Minuten und wir sind zurück am Bahnhof Pirna. In Prina regnet es natürlich nicht mehr! Murphys Law lässt grüßen. Vom Bahnhof aus laufen wir in Richtung Innenstadt. Die Gartenstraße (OSM) hat schöne alte Häuser, der gesamte Häuserzug könnte auch irgendwo in Paris stehen. Auffallend sind die kleinen Schilder an den Fassaden der Häuser.

rechts, Katastermarke

Das kleine Schild ganz rechts ist mir total unbekannt, und auch Tante Google liefert keine Erklärung. Die Auflösung erfolgt dann später in der Touristeninformation. Vorher gibt es aber noch Federweißen und Zwiebelkuchen im Cafe Canaletto an der Ecke Schuhgasse / Marktgasse. Die Schilder sind übrigens alte Katastermarken. In der Touristinformation kaufen wir uns Tickets für die Schlossführung (6,-€). Wir laufen hoch zum Schloss Sonnenstein. Schloss Sonnenstein war lange Zeit eine Heilanstalt für Geisteskranke, zur NS-Zeit dann eine Tötungsanstalt und wird jetzt als Landkreisverwaltung genutzt. Die Führung durch diese Landkreisverwaltung ist leider sehr langweilig, da es nicht viel zu sehen gibt. Unsere Fremdenführerin reißt es aber ein wenig heraus, da sie sehr viel zur Geschichte erzählen kann. Wir landen im großen Sitzungssaal, der aufwendig und für sehr viel Geld wieder in seinen ursprünglichen Zustand versetzt wurde. Ein wenig interessant wird es dann doch noch, als unsere Tour uns bis unter das Dach führt. Hier befindet sich zwei große stählerne Wassertanks für Warm- und Kaltwasser. Die Räume der Heilanstalt konnten damals (18hundert und…) mit warmem und kaltem Wasser versorgt werden. Zu dieser Zeit eine Innovation, heutzutage holt man damit niemanden mehr hinter dem Ofen hervor.

Wassertank unter dem Dach

Unsere Begeisterung für die Schlossführung hält sich sehr in Grenzen. Wir brauchen  eine Stärkung! Wieder unten in der Altstadt entschließen wir uns für den Spanier. Drei von uns bestellen Tapas, der Rest Tellergerichte. Die Kellnerin kommt mit einem extra Zettel, auf dem die Drei ihre Tapas Wünsche ankreuzen sollen. Was soll ich sagen, es ist etwas ungeschickt eine durchgestrichene 0 und eine normale 0 zu verwenden. Das könnte falsch gedeutet werden! Es wurde natürlich falsch gedeutet, und die durchgestrichene Null bekam nichts zu essen. Die Kellnerin ist dann aber recht flexibel und die Nachbestellung klappt, und alle haben etwas zu essen. Dazu gibt es reichlich Wein. Leider werden wir zum Schluß nicht mehr wirklich von der Kellnerin beachtet und bekommen keinen Nachschub. wir entschließen uns zu gehen. Da unser Zahlungswunsch keine Beachtung findet, ruft einer der Jungs über sein Handy an. Die Stimme auf der anderen Seite reagiert allerdings ziemlich cool, und fragt ob wir bar oder mit Karte zahlen wollen. 🙂

Pfad zur Tötungsanstalt

Am nächsten Tag starten wir nach dem Frühstück einen neuen Versuch die Festung Königstein zu erklimmen. Diesmal fahren wir aber mit dem zwei Autos nach Königstein. Wir verlassen Pirna über die B172 nach Königstein. Die Festung ist schon von Weitem zu sehen. Kurz vor der Festung biegen wir ab zu einem Parkhaus am Fuß der Festung (OSM). Von diesem Parkhaus kann man entweder zu Fuß oder mit einer Bimmelbahn zur Festung kommen. Wir laufen, und erreichen einen weiteren Parkplatz (für Busse) an der Festungsmauer.

Festungsmauer

Am Kassenhäuschen bezahlen wir 10,-€ pro Person für ein Ticket. Mit dem Ticket in der Hand hat man die Wahl. Entweder man läuft durch das Burgtor hoch, oder man begibt sich rechts vom Kassenhäuschen in einen Aufzug, der direkt bis auf das Niveau der Burgmauer fährt. Hier teilt sich unsere Gruppe in Läufer und Fahrstuhlfahrer. Es gibt übrigens einen zweiten Fahrstuhl, der außerhalb der Burgmauer hoch fährt. Dieser Panoramaaufzug ist leider außer Betrieb.

Pachttoilette

Ich gehöre zu den Fahrstuhlfahrern, und wir kommen nach 42m oben auf der Burgmauer an. Die Aussicht von hier oben ist spektakulär! Man kann weit ins Land blicken und sieht viel Wald. Das Laub ist schon teilweise braun gefärbt, ein bisschen wie Indian Summer in der sächsischen Schweiz. Ein Schild an der Burgmauer weist auf die Uran-Abbaustelle (OSM) der ehemaligen SDAG Wismut im nahen Leupoldishain hin. Hier wurde bis weit nach der Wende Uran gefördert. Unsere Gruppe trifft sich auf dem Marktplatz, mitten auf der Festung.

Blick von der Festung

Hier wollen wir uns in zwei Stunden wieder treffen, so kann sich jeder das anschauen was er will. Auf dem Stein des Königs (in lapide regis) gibt es nämlich einiges zu sehen. Ich begebe mich zuerst in die Magdalenenburg (Proviantmagazin). Der Weg in den Keller ist recht steil. August der Starke hatte hier das große Königsteiner Weinfass mit einem Fassungsvermögen von knapp 250.000 Litern bauen lassen. Heutzutage gibt es eine Skulptur aus Weinflaschen, die die ungefähre damalige Größe erahnen lässt.

Friedrichsburg

Danach geht es zur Nordmauer an die Friedrichsburg. Von hier aus kann man über die Elbe schauen und sieht auf den gegenüberliegenden Lilienstein. Ich laufe die Burgmauer entlang bis zur Blitzplateau. Hier stand früher eine alte Eiche, die häufig vom Blitz getroffen wurde. Bei einem Gewitter im Jahr 1925 wurde so sogar eine Gruppe von Menschen getroffen, von denen drei tödlich verletzt wurden. Die Festung ist, aufgrund ihrer exponierten Lage, ziemlich blitzgefährdet uns nicht unbedingt der beste Aufenthaltsort bei Gewitter.

Blick auf die Elbe

Ich umrunde den Festungswald und lande im alten Zeughaus. Danach gehe ich zurück zum Marktplatz. Ich streune noch ein wenig über die Festung und schaue mir u.a. Schatzhaus und die Garnisonskirche an. In der alten Kaserne kann man draußen sitzen und etwas essen oder trinken. Dort sitzt auch der Rest der Bande und trinkt schon Bierchen. Das Wetter verschlechtert sich und es geht ein Regenguss nieder. Wir sitzen zum Glück unter einem der großen Sonnenschirme und warten ab bis es wieder aufklart. Das Wetter wird leider nicht besser und wir entschließen uns die Festung zu verlassen. Also Aufbruch und Rückfahrt zur Ferienwohnung. Dort wärmen wir uns wieder auf, und dann geht es zu Fuß zum “1. Pirnaischen Herbst- und Weinfest”. Dieses Weinfest in der größte Reinfall des ganzen Wochenendes! Es gibt genau eine Weinbude und ein paar Fressbuden. Die Würste und Steaks auf dem Feuer an der Grillbude warten augenscheinlich schon länger auf Kundschaft. Da wir nun schon mal da sind, wollen wir wenigstens etwas Wein trinken. Also ran an die Weinbude. Folgende Weine stehen zur Auswahl:

  • Sächsisches Staatsweingut Schloss Wackerbarth
    • Cuveé Sachsen, rot
    • Dresdner Engel
  • Weingut Schloss Proschwitz, Prinz zur Lippe
    • Scheurebe, trocken
    • Rosé, trocken
  • Weingut Ricco Hänsch
    • Riesling, trocken
    • Grauburgunder, trocken
  • Weingut Mariaberg
    • Marias Glück (Müller-Thurgau, Traminer, Riesling)
    • Traminer
  • Weinbau Frédéric Fourré
    • Chimäre de Saxe (Grauburgunder, Spätburgunder)
    • Traminer “R”

Wir bestellen ein paar Schoppen Weißwein, und da die meisten von uns Rotweintrinker sind, gleich noch eine Flasche vom Cuveé Sachsen. Was wir bei der Bestellung zu hören gekommen ist sehr besorgniserregend: “Wollt ihr noch mehr Rotwein trinken? Dann empfehle ich euch die anderen ZWEI Flaschen auch noch zu kaufen!” Merke, das Fest hat seit ca. drei Stunden geöffnet, und es ist der erste Festtag. Finde den Fehler! Nach ca. 1,5 Stunden unserer Anwesenheit auf dem Fest gibt es keinen Rotwein mehr. Ich bin nicht sicher ob wir es nochmal schaffen ein Weinfest rotweintechnisch leer zu trinken. Aber nun genug Sarkasmus! Da auf dem Fest nichts mehr läuft, setzen wir uns beim Mexikaner in den Keller und essen dort ausgezeichnet. Dort gibt es alles im Überfluss….

  • Fotos der Weintour auf flickr