Kos-Stadt

Der heutige Plan sieht einen Ausflug nach Kos-Stadt vor. Ich stehe morgens früh auf, um mir den Sonnenaufgang anzusehen und hoffe auf eine menschenleere Hotelanlage für ein paar schöne Fotos.

Agios Fokas

Enttäuschenderweise bin ich nicht allein so früh unterwegs. Ein paar Leute hat die angenehme Temperatur schon aus dem Bett geworfen.

Am großen Pool sieht man auch schon einen einsamen Touristen, der natürlich was macht?! Genau, zwei Liegen mit Handtüchern reservieren. Beim Frühstück ist auch schon etwas los und ich hole mir einen Kaffee. Danach wecke ich meine bessere Hälfte und wir gehen zusammen frühstücken.

Hippokrates Platane

Den Vormittag verbringen wir dann am Strand, am frühen Nachmittag machen wir uns dann auf nach Kos-Stadt. An der Rezeption kann man Tickets für den Bus kaufen. Ein Einzelticket kostet 1,60 €, im Bus würde das Ticket 2 € kosten. Also besorgen wir gleich Tickets für Hin- und Rückweg, dann laufen wir zur Bushaltestelle an der schon ein paar andere Touristen warten. Wir warten ca. 10 Minuten, dann kommt aus Richtung Stadt auch schon ein grün-weißer Bus. Der Bus fährt zum Glück nur bis zum letzten Hotel und dreht dann um. Wir müssen also nur kurz warten. Der Bus ist eine alte, abgefuckte Kiste von Scania.

Tor der Steuern

Der Busfahrer fährt recht schmerzfrei und holt auch das letzte PS-Pferdchen aus dem Motor. Wir brauchen nur ca. 20 Minuten bis zum Busbahnhof (OSM), der in der Nähe der Polizeistation liegt. An der Straße steht ein alter Kia Polizei-Jeep, der wohl schon länger nicht mehr benutzt wird. Er ist komplett zugestaubt und auf den Scheiben hat jemand mit dem Finger im Staub gemalt. Vor der Polizeistation laufen wir rein zur Platane des Hippokrates. Das kleine Brunnenhaus zwischen Platane und Loggien Moschee ist beim Erdbeben im Juli zusammengestürzt und abgesperrt. Die Gazi Hasan Pascha Moschee scheint weniger beschädigt zu sein, verfällt aber schon länger. Die Platane ist innen schon ganz hohl, und wird von einem Metallrahmen gestützt.

Defterdar Moschee

Vom kleinen Park aus kann man normalerweise über eine Brücke zur Johanniterfestung Neratzia hinüber gehen. Ein Schild gibt an, dass die Brücke auf unbestimmte Zeit gesperrt ist. Vom kleinen Park kommt man direkt zum Hafen von Kos-Stadt. Hier reiht sich eine Taverne an die nächste. Wir biegen links ab und wollen zum Eleftherías Platz (Platz der Freiheit). Auf dem Platz (OSM) angekommen sieht man schon die nächsten Schäden des Erdbebens. Das Minarett der Defterdar Moschee ist zerstört und das Gebäude abgesperrt. Gleich daneben befindet sich das “Tor der Steuern”, welches auch stark beschädigt ist. Auf Fotos sieht man das Tor immer schön mit Bougainvilleen bewachsen.

Markthalle

Die Pflanzen hat man sehr stark zurückgeschnitten, um Sicherungsmaßnahmen am Tor durchführen zu können. Die Markthalle hat das Erdbeben unbeschadet überstanden. Hier werden dem gemeinen Touristen landestypische Produkte angeboten, aber es ist auch viel Nippes dabei. Ich kaufe mir einen schönen Naturschwamm (6,-€). Geht man aus der Markthalle heraus und hält sich links, kommt man in eine schmale Gasse mit diversen Geschäften. Die Geschäfte sind zu 100% auf Touristen ausgelegt und bieten daher auch Waren an, die man in anderen Touristenzentren auf diesem Planeten auch bekommt.

Geschäfte im Zentrum

Wir laufen die Gasse ganz durch und kommen an den westlichen Ausgrabungen heraus. Dieses Gelände ist das größte zusammenhängende Ausgrabungsgelände in Kos-Stadt. Es gibt zwei große Mosaiken “Die Entführung der Europa” und “Das Paris-Urteil”. Wir gehen weiter und überqueren eine vielbefahrene Straße. Auf der anderen Seite liegt hinter einer kleinen Zypressenallee das Odeon von Kos (OSM), ein antiker Theaterbau.

Theater

Das Odeon kann man auch von innen besichtigen. Im Inneren befinden sich Informationstafeln. Das Odeon scheint vom Erdbeben nicht betroffen zu sein. Hunger und Durst kommen auf und wir laufen zurück in die Altstadt. Im Kantouni Music Cafe lassen wir uns nieder und es gibt Tzaziki mit Brot und Getränke. Wir wollen noch weiter und uns den Hafen ansehen, also laufen wir zurück.

Erdbebenschäden am Hafen

Am Hafen ist es noch relativ ruhig. Bis auf ein paar Fischerboote und ein griechisches Schnellboot. Die Ausflugsboote sind scheinbar noch auf Tour. Am Hafen gibt es wieder sichtbare Schäden durch das Erdbeben. In der Kaimauer gibt es einen Absatz von fast einem Meter. Wir umrunden die alte Johanniterfestung bis zum Fährhafen. Auch hier ist die Kaimauer überall beschädigt.

Fischer

Am Fährhafen ist z.Z. nicht viel los. In einiger Entfernung sieht man allerdings schon die Ausflugsboote näher kommen. Wir sind um 17:30  wieder im Hafen und es gibt ein echtes Schauspiel. Mindestens fünf Ausflugsboote legen gleichzeitig an. Natürlich wird römisch-katholisch angelegt, also mit dem Heck an die Pier. Jedes Boot lässt seine Stelling auf die Pier und spült dann zeitgleich die Ausflugstouristen auf die Pier.

Exklusiver Parkplatz

Wir finden uns plötzlich in einem totalen Chaos wieder. Tui-Tanten laufen hektisch umher, um diese Touristenströme halbwegs zu kanalisieren, und in die wartenden Busse zu lotsen. Zwischen diesem ganzen Chaos sitzen auf einer Parkbank zwei sonnengegerbte alte Fischer. Wahrscheinlich die letzten beiden authentischen Leute in ganz Kos-Stadt. Die letzten beiden Relikte einer schon längst vergangenen Zeit, die letzten beiden originalen Einwohner einer ansonsten von Touristen bevölkerten Stadt. Es gibt quasi keine Einheimischen, die Touristen stammen allerdings aus ganz Europa.

die letzten Originale

Wir setzen uns in eine Taverne am Hafen und trinken noch eine Kleinigkeit. Über uns in den Bäumen sammeln sich Vögel, die anfangen die Leute unter sich mit Scheiße zu bombadieren. Auch ich werde getroffen. Wir flüchten unter einen Sonnenschirm. Da die Stadt irgendwie nicht wirklich etwas zu bieten hat, beschließen wir mit dem Bus wieder zurück zum Hotel zu fahren. Wir gehen zurück zur Bushaltestelle. Der Bus ist relativ modern und nicht so abgefuckt wie der auf der Hinfahrt. Der Busfahrer hat einen todesverachtenden Fahrstil, als wäre er Ash aus Tanz der Teufel. Es fehlt nur die Kettensäge in seiner Hand. Die Haltestellen sagt er über die Lautsprecheranlage an. Wenn ein Fahrgast nicht rechtzeitig aufsteht, um seinen Aussteigewunsch zu signalisieren, fängt er an zu fluchen. So macht es jedenfalls den Eindruck.

Touristenstreitmacht geht an Land

Vor dem Bus fährt ein silberner Mietwagen. Der Busfahrer holt diesen Mietwagen trotz der Stopps an den Haltestellen immer wieder ein. Auf “freier” Strecke überholt er diesen, natürlich fluchend. Für die Strecke, auf der wir für die Hintour 15 Minuten gebraucht haben, brauchen wir auf der Rücktour gefühlte 7 Minuten. Was für eine Höllenfahrt. Wir kommen unbeschadet an der Haltestelle vor dem Hotel an und dürfen den Bus verlassen. Ich liebe öffentliche Verkehrsmittel!

Abends gibt es zur Entschädigung reichlich Ouzo!

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