Texel #1

Texel ist die größte und westlichste der westfriesischen Inseln. Wir waren da, und zwar für eine Woche! Dieses Mal war die ganze Familie mit auf der Insel, fünf Erwachsene und zwei kleine Kinder. Als Unterkunft hatten wir uns ein Ferienhaus gemietet.

Afsluitdijk

Die Anreise erfolgte aus Wilhelmshaven über die A7, vorbei an Groningen und über den Abschlussdeich des Ijsselmeeres. Am östliche Ende des Afsluitdijk befindet sich auf der ehemaligen Arbeitsinsel Kornwerdenzand ein Kasematten-Museum. Der Deich ist insgesamt 32km lang. Die Sicht auf die Nordsee ist durch den Deich versperrt, dafür hat man freien Blick auf das Ijssemeer. Wir stoppen auf ca. ⅔ der Strecke am Vlietermonument (OSM). Am Monument gibt es einen Parkplatz und einen Aussichtsturm mit kleiner Snackbar. Im sogenannten Lunchroom ist einiges los. Wahrscheinlich wollen alle das draußen angeschlagene Bikers Menü “Dutch TT” bestehend aus Eiern, Speck, Käse, Paprika und Ziebeln, alles auf Toast. Die Luft ist jedenfalls recht stickig. Wir ordern Koffie und setzen uns draußen auf eine Bank. Mit dem Kaffee bekommen wir ein paar Toilet Tickets, “voor een toilet bezoek”. Auf dem gesamten Parkplatz gibt es anscheinend nur eine Toilette, und diese ist untem im Turm. Es ist extra jemand abgestellt, der die Toilettentür via Fernbedienung frei gibt. Naja, der Kaffee ist dafür richtig gut.

Aussichtsturm auf dem Afsluitdijk

Wir sitzen eine Weile da und beobachten das bunte Treiben. Oben auf dem Turm gibt es eine kleine Aussichtsplatform. Hier weht eine steife Briese. In westlicher Richtung steht am Ende vom Parkplatz ein Standbild von Cornelis Lely. Am Horizont sieht man schon Den Helder. Auf dem Parkplatz gibt es eine Skulptur eines Steinsetzers, die an die 5000 Arbeiter erinnern soll, die an dem Bau des Damms mitgewirkt haben. Die Skulptur hat inzwischen eine blanken Hintern bekommen, anscheinend haben sich schon sehr viele daran gerieben.
Wir fahren weiter.

Den Helder

In Den Oever biegen wir von der A7 ab Richtung Den Helder. Kurz vor De Kooy ist Schluss mit dem zügigen Vorrankommen, der Verkehr staut sich. Leichte Angst macht sich breit, dass alle auf die Insel wollen. Kurz vor Den Helder löst sich zwar der Stau nicht auf, aber der Grund wird offensichtlich.

Fähre Dokter Wagenmaker

In der Stadt finden Sail und Marinedagen statt. Die Stadt ist komplett dicht, nichts geht mehr. Wir werden in einer großen Schleife im die Stadt geleitet. Bis zum Fähranleger von TESO benötigen wir mehr als eineinhalb Stunden. Echt ätzend! An der Fähre geht dann wieder alles recht zügig. Ich brauche nur das ausgedruckte Ticket mit dem QR-Code unter das Lesegerät zu halten, schon öffnet sich die Schranke. Wir müssen nur kurz auf die Fähre “Texelstroom” warten. Die Einweiser sind Profis, das Boarding läuft wie am Schnürchen. Auf der Fähre springen alle Passagiere aus ihren Autos und strömen auf die oberen Decks. Es gibt eine Snackbar und genug Sitzmöglichkeiten. Man merkt, dass alles auf kurzen Aufenthalt ausgelegt ist, dauert die Überfahrt doch nur 20 Minuten. Nach kurzer Zeit kommt dann auch die Aufforderung sich zu den Fahrzeugen zu begeben.

Maoi

Wir sind auf Texel angekommen. Von der Fähre aus kommt man zuerst in eine mehrspurige Pufferzone.

Texel

Diese Pufferzone wird von Verkehrsampeln geregelt und dort dafür, dass der ankommende Pulk von Autos sich nicht schlagartig in das Verkehrsnetz der Insel ergießt, und es zum totalen Erliegen bringt. Wir müssen ganz in den Norden von Texel, nach De Cocksdorp. Wir kommen gut voran, alles ist sehr gut ausgeschildert. Unser Ziel ist der Vakantiepark De Krim. Unterwegs kommen wir in Zuid-Eierland an einem Moai (OSM) vorbei. Ankunft, im Rezeptionsgebäude bekommen wir die Schlüssel vom Gelände und eine Beschreibung vom Gelände. Die Beschreibung ist auch dringend nötig, die Anlage ist riesig und gleicht einem Labyrinth. Unser Ferienhaus liegt ganz am Ende der Anlage, gleich neben dem Golfplatz (OSM).

Ferienhaus in De Cocksdorp

Der erste Eindruck vom Ferienhaus ist super! Es gibt viel Platz für jeden, eine vernünftige Küche, neue Bäder und eigenes WLAN. Das Grundstück ist groß und von Bäumen umgeben. Von der verglasten Terrasse hat man freie Sicht auf den Golfplatz und die Dünen. Wir laden die Autos aus und verteilen uns auf die Zimmer. Wir müssen heute noch einkaufen, und beschließen dazu nach De Koog zu fahren. Dort gibt es einen Lidl- und einen Jumbo-Markt. In De Koog angekommen müssen wir uns zuerst ein Parkticket ziehen. Überall auf der Insel benötigt man für die Parkplätze ein Ticket. Der kleinst mögliche Parkinterval ist eine Stunde, für einen Euro. Die Automaten nehmen nur Kredit- oder EC-Karte an, außerdem muss das Autokennzeichen über die Touchscreen eingegeben werden. Das dauert. Passend dazu fängt es an zu regnen. Der Jumbo-Markt ist voller Leute, die meisten davon sind deutsche Touris. Einheimische erkennt man am zielstrebigen Gang durch das Gewusel.

Strand auf Texel

Alle anderen laufen scheinbar verwirrt durch die Gänge und versuchen sich zurecht zu finden, oder Aufschriften auf Verpackungen zu deuten. Herrlich, ich habe viel Spass! Neben mir läuft ein älterer Typ mit Lederjacke und mit rot geschminkten Lippen vorbei. Spontan erinnert er mich an Armin Rohde in “Der bewegte Mann”. In seinem Einkaufswagen liegen unidentifizierbare fleischhaltige Lebensmitteldarsteller. Er schaut mich an und brummt irgendwas mit “nur gesunde Sachen”. Der Jumbo-Markt ist eine einzige große Showbühne. Meine beiden Begleiterinnen sind schon leicht genervt, und wollen hier zügig raus. Zurück im Ferienhaus gibt es Spaghetti.

Strand am Paal 28

Der erste richtige Urlaubstag bricht an. Unten in der Küche gibt es schon heißen Kaffee. Ich fahre zusammen mit meinem Neffen zum Spar-Markt, hier in der Anlage. Wir kaufen vor Ort aufgebackene Brötchen und müssen dafür 12,-€ berappen. Für Morgen werden wir uns eine Alternative überlegen. Nach dem Frühstück in großer Runde laufen wir zum Fahrradverleih.

Strand am Paal 28

Wir haben Fahrräder und einen Anhänger für die Kinder schon im Vorfeld reserviert. Der Fahrradverleihmann hinter dem Tresen sieht, ungelogen, ein bisschen aus wie Emmett Brown! Jedenfalls wirkt er ein wenig zerstreut, als er sagt wir hätten 15 Fahrräder bestellt- Okay, wir sind fünf Erwachsene, es wir halt schwierig wenn jeder drei Fahrräder fahren soll. Als Anhänger hat er nur einen Hundeanhänger. Wir finden eine Lösung, und bekommen für den heutigen Tag erstmal ein Cabby, welches wir Morgen gegen ein Fahrrad mit Anhänger tauschen können.

Strand am Paal 28

Die falsche Bestellung mit den 5 Fahrrädern löst sich dann auch auf. Die Fahrräder sind ordentlich gewartete Gazelle-Räder. Das Wetter ist halbwegs gut und wir wollen an den Strand. Wir folgen dem Krimweg bis zum Strand am Paal 28. Mit dem Cabby und den zwei zusätzlichen Insassen ist es ganz schön anstrengend über die Dünen. Nach 2km durch die Dünenlandschaft kommen wir am Strand an. Der Parkplatz ist recht leer und es stehen nur wenige Fahrräder dort. Der Strand ist einfach der Hammer! Ein schöner breiter Sandstrand, soweit das Auge reicht. Es weht stark und die Brandung ist heftig. Es gibt das Restaurant Paal 28 und gegenüber eine kleinen Laden. In den Laden kann man alles kaufen, was man für den Stand benötigt. Zum Baden ist es zu windig und auch nicht warm genug. Der Wind kühlt einen zu sehr aus. Die Sonne bricht nur gelegentlich durch die Wolkendecke. Ein wenig durchgefroren durch den Wind, brechen wir auf, zurück zum Ferienhaus. Wir wollen grillen. Dazu fahren zwei von uns nach De Cocksdorp rein, dort gibt es einen Spar-Markt. Im Jumbo-Markt, gestern in De Koog, war die Auswahl an Grillgut nicht überzeugend. Zum Grillen gibt es Texel-Bier. Lecker! In der Nähe von Oudeschild gibt es eine kleine Brauerei (OSM), die leckeres Bier in braut.

Texel-Schafe

Das Bier gibt es überall auf der Insel in praktischen 0,3l Flaschen zu kaufen. Damit kann man den Urlaubstag richtig ausklingen lassen. Am nächsten Morgen gibt es zum Start in den Tag wieder ein ordentliches Frühstück. Wir haben gestern noch Pindakaas und Suikerbrood gekauft. Da uns die Brötchen vom Supermarkt vor Ort nicht so gefallen haben, gibt es heute Aufbackbrötchen. Was auch nicht fehlt ist Schokomel. Eigentlich müsste noch Hagelslag auf dem Frühstückstisch stehen, den haben wir aber vergessen zu kaufen. Nach dem Frühstüch fahren mein Schwager und ich nochmal zu Emmett Brown, um das Cabby gegen ein ein Fahrrad mit Anhänger zu tauschen. Das funktioniert auch ohne Probleme. Zurück am Ferienhaus wollen die anderen den Vakantiepark erkunden. Ich entschließe mich für eine kleine Tour nach De Cocksdorp.

De Cocksdorp

Das Dorf wirkt an diesem Morgen ziemlich verschlafen, es ist nichts los.

De Cocksdorp

An der protestantische Kirche sehe ich ein paar Menschen zum Gottendienst eilen. Am Deich folge ich der Straße nach Norden, Richtung Leuchtturm. Ich mache einen Stopp am Paal 33. Hier gibt es den wahrscheinlich meistfotografierten Anleger auf Texel. Von hier aus läuft eine kleine Passagierfähre nach Vlieland aus. Ich fahre weiter und mache noch einen kurzen Stopp oben auf dem Deich. In einiger Entfernung ist der Leuchtturm zu sehen. Beim Aufsitzen auf das Fahrrad passiert es, ich bleibe am Sattel hängen und reiße mir schön die Hose auf. Scheiße! Jetzt habe ich keinen Bock mehr zum Leuchtturm zu fahren, also zurück. Dort ernte ich ein wenig Gelächter. Als Trost gibt es Kaffee und Stroopwafeln.

Leuchtturm Eierland

Da es wettermäßig nicht so aussieht als würde es trocken bleiben, entschließen wir uns nach Den Burg zu fahren.

Den Burg

Gesagt getan. Wir parken mitten in der Stadt. Der Parkaufenthalt ist hier auf eine Stunde beschränkt. Vom Parkplatz aus starten wir direkt am Kino unseren Bummel durch die Stadt. Schön, dass auch sonntags viele Geschäfte geöffnet sind. Das Vliegerhuis ist ein sehenwerter Laden. Ansonsten ist die Innenstadt recht übersichtlich und man hat alles schnell durchschlendert. Die Stadt ist kleiner als erwartet. Da wir anscheinend alles gesehen haben, entschließen wir uns zur Weiterfahrt nach De Koog.

De Koog

In De Koog parken wir auf dem großen Parkplatz gleich hinter dem Jumbo/Lidl. De Koog ist sehr, sehr, sehr touristisch. auf der Dorpstraat ist ein Fressschuppen neben dem anderen und Läden bieten den üblichen Nippes an. Ganz schrecklich. Einzig die Dorfkirche und das Haus gleich nebenan spiegeln das ursprüngliche De Koog wider.

Anleger

Am Ende der Dorpstraat biegen wir Richtung Strand ab. Zwischen dem dem mehrkettigen Dünengürtel (ha, so steht es in der Wikipedia) gibt es einen Campingplatz. Einzelne Wohnwagendächer sind in den Dünen zu sehen. Dann stehen wir am Strand. Der Wind weht ordentlich, analog dazu ist die Brandung. Hunger macht sich breit, und wir kehren im Restaurant Noordzee ein. Die Frauen essen Vissoep oder Apfelkuchen, die Männer bestellen Patat. Als das Essen kommt ernten wir dafür ein paar neidische Blicke. Die Pommes sind super und werden in einer Spitztüte am Ständer serviert. Alles richtig gemacht! Inklusive der Getränke bezahlen wir zum Schluss angemessene 45,-€.
Auf der Rücktour zum Parkplatz gehen wir dann noch in den einen oder anderen Laden. Sehr zu empfehlen ist das Eis im Ijssalon! Das Duindoorn-Eis ist toll!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.