Weintour 2016 – Sauerland

Diese Weintour ist keine richtige Weintour! Dieses Jahr war unsere Truppe in keiner Weingegend , sondern es hat uns in das Sauerland, genauer gesagt nach Warstein verschlagen. Ziel unseres Besuchs dort ist die 26. Warsteiner Internationale Montgolfiade.

in der Ballonhülle

Die Anreise am Donnerstag verläuft ohne Staus oder andere Probleme. Wir fahren in zwei Teams, von Wilhelmshaven und von Bremen. Das Navi zeigt von Bremen aus eine Strecke von 270 km bis nach Allagen. Das Örtchen Allagen, in dem unsere Ferienwohnungen liegen, ist ein Ortsteil von Warstein und ca. 11km von diesem entfernt.

Wir kommen um ca. 15:00 in Allagen (OSM) an. Kurze Zeit später ist auch der Vermieter da, und übergibt uns die Wohnungsschlüssel. Heute geht es nur noch ein paar Sachen einkaufen, und abends essen wir in Kemkers Bauernstube. Freitag. Nach einem gemeinsamen Frühstück auf der Terrasse brechen wir nach Warstein zum Festivalgelände (OSM) auf. Wir fahren mit dem Taxi, da wir dort das eine oder andere Bierchen trinken wollen. Auf der Fahrt fragen wir den Taxifahrer nach eventuell vorhandenen Sehenswürdigkeiten aus. Die Antworten fallen recht dürftig aus. Die Gegend um Warstein ist anscheinend ansonsten tot.

Montgolfiade

Auf dem Veranstaltungsgelände haben noch alle Buden geschlossen. Dafür liegt auf dem Startplatz eine halbe befüllte Ballonhülle. Diese kann man betreten. Drinnen sind zwei Kindergartengruppen, die den Heißluftballon erklärt bekommen.

Bällebad

Wir kommen mit einem Ballonfahrer ins Gespräch, und fragen ihn in wenig aus. So kostet z.B. eine normale Ballonhülle um die 20000,- €, ein kompletter Ballon dann schon mal 60000,-€. Noch oben hin gibt es keine Grenze. Daher haben die meisten Ballonteams Sponsoren und fahren mit entsprechender Werbung auf der Ballonhülle. In der Ballonhülle ist die Temperatur schon nach kurzem Aufenthalt unerträglich und wir laufen hoch zum Besucherzentrum der Warsteiner Brauerei. Das Besucherzentrum ist recht üppig. Hinter dem Gebäude schließt sich ein schön gestalteter Biergarten an.

Besucherzentrum Warsteiner Brauerei

Wir besorgen uns Eintrittskarten und haben noch genug Zeit im Biergarten eine Runde Bier zu trinken. Unsere Wahl fällt auf ein dunkles Warsteiner Braumeister

Warsteiner Brauerei

Dann geht es zur Besichtigung. Zuerst werden wir in ein auf einer Drehscheibe montierten Kino gebracht. Dieses zeigt auf einer 360° Leinwand die einzelnen Brau-Abschnitte. Unterhalb der Leinwand befinden sich dazugehörig alte Maschinen, die teilweise angetrieben werden und das Brauverfahren in der damaligen Zeit zeigen. Als Nächstes steigen wir in einen Elektrobus mit zwei Anhängern. Vorne im Bus laufen die Ansagen in Englisch, im ersten Anhänger in deutsch und im zweiten Anhänger in niederländisch. Man merkt die Nähe zur niederländischen Grenze, es gibt viele Touristen aus den Niederlanden.

Abfüllanlage

Die Bustour führt uns den Berg hinunter zur Brauerei. Wir fahren über den werkseigenen Güterbahnhof, dann in ein Gebäude mit den Braukesseln. Es ist irgendwie sehr befremdlich, wenn man mit einem Fahrzeug direkt am Schaltpult der Prozessüberwachung, nur einen Meter hinter dem Stuhl des Braumeisters, vorbei fährt. Die Fahrt geht weiter durch die Filter- und die Abfüllanlage. Leider ist am Wochenende hier kein Betrieb und die Anlagen werden gereinigt. Schade. Wir fahren mit dem Bus durch die Ladehalle, in der gerade vier LKW beladen werden. Der Busfahrer muss ziemlich am Lenkrad kurbeln um den Bus mit seinen zwei Anhängern ohne Kratzer durch die Werkshallen zu bekommen. Zum Schluss geht es wieder den Berg hinauf zum Besucherzentrum. Im Biergarten lösen wir die zwei Marken ein, die wir mit dem Ticket bekommen haben.

Federball

Im Biergarten brennt die Sonne unbarmherzig auf uns nieder, und wir suchen uns einen schönen Schattenplatz zum Bier trinken. Dazu gibt es gut gemachten Sauerländer Eintopf und Gulascheintopf. Wir lassen uns viel Zeit im Warsteiner-Biergarten und gehen dann zurück auf das Festivalgelände. Die Buden haben mittlerweile geöffnet und es ist auch schon ganz gut Publikumsverkehr. Ganz am Anfang der Meile steht die Marine mit einem Infowagen. Gleich daneben sowas ähnliches wie ein Flugsimulator. Da gerade niemand dort ansteht und fahren möchte, setzt sich unsere ganze Gruppe in den Simulator.

buten un binnen

Es wird ein Hubschrauberrundflug gezeigt. Die Simulation kommt von der DVD und ist leider sehr schlecht. Man startet auf der Fregatte Lübeck. Jeder, der so ein Schiff kennt, merkt sofort, dass die Abläufe unlogisch sind. Im Flug wechselt man dann sogar plötzlich den Hubschrauber (Sea Lynx auf Sea King). Alles sehr konfus. Hier sollte die Marine dringend nachbessern. Wir haben jedenfalls viel Spass mit den Filmfehlern. Nach diesem „Rundflug“ laufen wir runter zum Plückers Hoff. In der Reithalle gleich nebenan sind Bierbuden und Bierzeltgarnituren aufgebaut. Hier lassen wir uns nieder. Als wir die Reithalle wieder verlassen, werden wir durch regen Betrieb auf dem Startplatz überrascht. Die ersten Heißluftballone sind schon aufgeblasen, einige erst halb und andere packen gerade erst ihr Equipment aus. Alles geht gefühlt irrsinnig schnell. Ehe man sich versieht, sind schon die ersten Ballone gestartet.

Heissluftballone

Innerhalb kurzer Zeit wurden an diesem Freitag 153 Heißluftballone gestartet. Man kommt sich ein wenig vor wie in einem Bällebad. Total faszinierend! Sehr schön sind die Ballone in Sonderformen. Die Bodencrews fahren, sobald ihr Ballon in der Luft sind, los zum vermutlichen Landeplatz. Am Landeplatz läuft der Abbau und das Zusammenpacken anscheinend auch sehr zügig. Die viele Teams sind jedenfalls schnell wieder da, und bereiten sich auf dem Startplatz für das Night Glowing vor.

Night Glowing

Für das Night Glowing bauen die Teams ihre Heißluftballone dicht an dicht auf dem Startplatz auf. In der Dämmerung lassen alle zur Musik ihre Brenner aufleuchten. Ein tolles Schauspiel. Wir beschließen noch vor dem Feuerwerk das Festivalgelände zu verlassen, um noch vor der großen Fluchtwelle weg zu sein. Wir benötigen ja noch ein Taxi um nach Allagen zu kommen. Unser Plan geht leider nicht auf. Wir finden kein Taxi, und bei der Taxizentrale, deren Nummer wir noch von der Hintour haben, ist dauerbesetzt. Scheiße!

viele Schaulustige

Wir laufen also nach Warstein rein und versuchen ein Taxi abzufangen. Es ist mittlerweile 01:00 Uhr. Nichts funktioniert. Wir laufen ewig und finden in der Nähe der Polizeistation eine Taxizentrale. Dort sitzt eine nette alte Dame, die uns leider nicht weiterhelfen kann. Alle Fahrer sind unterwegs. In einer Stunde könnte sie uns helfen, wir sollen doch solange in den Pub auf der anderen Straßenseite gehen und ein Bierchen trinken. Gesagt getan! Wir betreten den Puberla Pub und werden von den Leuten am Tresen gemustert. Man kann sehen, was alle denken: „Was wollen die Fremden hier in unserem Pub!“ Wir setzen uns an einen großen Tisch und bestellen Bier. Grossartig, es gibt kein Warsteiner sondern Becks, und das in kleinen 0,2l Gläsern! „Das schmeckt, als wenn einem ein Engel in den Hals pisst!“, höre ich jemanden von uns sagen. Die Kneipe ist gut besucht, in der sonst toten Stadt. Drei Jungs spielen Dart und wir schauen zu. Zwei Mädels kommen rein und biedern sich den Jungs an, um Getränke abzugreifen. Ihr Plan geht auf. Feinstes Lokalkolorit. So verbringen wir eine Stunde, dann gehen zwei von uns nochmal zur Taxi-Oma rüber. Es läuft gut für uns, wir bekommen ein Taxi! Also zahlen wir in der Kneipe und fahren los. Wir sind um 03:00 Uhr wieder in Allagen.

Bilsteinhöhle

Am nächsten Morgen gibt es ein ordentliches Frühstück mit viel Kaffee. Heute wollen wir zur Bilsteinhöhle. Die Bilsteinhöhle liegt ca. 3 Kilometer außerhalb von Warstein im Arnberger Wald (OSM).

Höhle1

Wir parken auf dem Parkplatz der Waldwirtschaft. Ich denke irgendwie an Essen und lese im ersten Moment Wienerwald. Der Weg führt uns hoch zur ehemaligen Gasfabrik. Hier wurde früher das Gas für die Höhlenbeleuchtung erzeugt. Dann war im Gebäude eine Zeit lang eine Jugendherberge untergebracht. Jetzt ist im Untergeschoss die Kasse und der Shop für die Höhle untergebracht. Die übrigen Stockwerke verfallen zusehends. Wir laufen zum Höhleneingang und warten auf den Start der Führung. Das Innere der Bilsteinhöhle ist nicht ganz so spektakulär wie ich es erwartet habe. Ja, er gibt Stalaktiten und Stalagmiten, trotzdem habe ich mehr erwartet. Von den 1700 m Höhle können 450m betreten werden.

Höhle2

Der Ausgang der Höhle ist nicht weit vom ehemaligen Gaswerk entfernt. Gleich in der Nähe der Höhle gibt es einen kleinen Wildpark. Es gibt Futterautomaten, die gegen Einwurf von 2,- € eine grüne Pappschachtel mit Mais auswerfen. Es ist  faszinierend, wie sehr die Tiere konditioniert sind. Allein der der Anblick der grünen Schachtel versetzt sie in Vorfreude auf das Futter. Sogar die Füchse sind aus Mangel an Alternativen am Mais interessiert. Wir trinken in der Waldwirtschaft eine Kleinigkeit und beratschlagen, was wir noch mit dem angefangenen Tag anfangen wollen. Die Wahl fällt auf einen Besuch im 20 km entfernten Soest.

Soest

Wir parken in der Nähe der Kirche St. Thoma, die von Weitem durch ihren schiefen Turm auffällt, und von Nahem durch den beim Bau verwendeten grünen Stein. Auf den ersten Blick denkt man sofort die Steine seien mit Moos bewachsen und deshalb so grün. In der Altstadt stehen die beiden Kirchen St. Petri und St. Patrokli gleich nebeneinander. Auch hier wirkt der verwendete grüne Stein komisch. Im „Im wilden Mann“ lassen wir uns im Biergarten nieder und essen Flammkuchen (OSM).

Miniatur-Soest

Nebenan gibt es einen Laden der Zwiebel-Brauerei. Ich kaufe mir hier zwei Literflaschen Soester Bier. Da wir pünktlich zum Abendstart der Heißluftballone wieder in Warstein, brechen wir gleich danach auf. Also zurück zur Ferienwohnung. Nach einem kurzem Aufenthalt geht es wieder Richtung Festivalgelände. Diesmal haben wir einen Fahrer. Vor Warstein ist ein Stau, alle wollen zur Montgolfiade. Wir brauchen gefühlt ewig, bis wir am Startplatz sind. Hier ist schon wieder ordentlich was los.

Soest, Marktplatz

Wir laufen umher und trinken hier und da etwas. Diesmal machen wir das Feuerwerk mit und landen danach im Festzelt. Die Stimmung ist ausgelassen und beschwingt. Die Band Marathon Live spielt gut und ohne Unterbrechung. Herrlich! Das Frühstück am Sonntag findet etwas später statt. Wir sind noch etwas k.o. Wir wollen heute nicht schon wieder zur Montgolfiade und entschließen uns nach Paderborn, ins Heinz-Nixdorf-Museum zu fahren.

HNF – Heinz Nixdorf Museumsforum

Das Computermuseum ist auf dem Gelände des HNF. Eigentlich ist es bei dem schönen Wetter viel zu Schade , drinnen im Museum zu sein. Vorteil ist natürlich, dass nichts los ist und wir praktisch die einzigen Besucher.

Brunnen vor dem HNF

Das Museum (OSM) führt auf mehreren Etagen durch die Entstehungsgeschichte der Computer. Den Anfang machen einfache mechanische Rechen- und Schreibmaschinen. Es gibt Chiffriermaschinen und ein komplettes ostzonales Rechenzentrum. Ich finde an einer Wand mit Taschenrechnern meinen alten Ti30 und den Olympia Taschenrechner meines Vaters. Auf einer anderen Wand finden wir alle unsere ersten Handys wieder und geraten in schwärmen. Der C64 fehlt natürlich auch nicht, oder eine Originalverpackung von Kaptain Crunch Frühstücksflocken mit der berühmten Signalpfeife.

Taschenrechnerwand

Mit dieser Signalpfeife konnte man früher die Telefonvermittlung von AT&T austricksen. Es gibt eine alte Vermittlungsstelle der Post mit angeschlossenen Telefonen. Man kann schön sehen, wie sich die Hubdrehwähler bewegen. Wahrscheinlich scheitern die meisten Kiddies heute schon an den Wählscheiben der Telefone. Sehr toll ist der VR-Raum im Museum. Hier bekommt man eine VR-Brille und kann verschiedene Anwendungen ausprobieren. Mit der Brille kann sich frei bewegen, verlässt man den vorgesehenen Bewegungsbereich, wird ein gelbes Gitter sichtbar, genau wie auf einem Holodeck in Star Trek. Das mit Abstand tollste Ausstellungsstück ist allerdings die Painstation!

Spiel an der Painstation

Die Painstation ist ein Arcade Automat mit einem Pong-Spiel. Zum Starten muss man die freie Hand auf eine Fläche mit zwei Schaltern legen, und die Schalter runterdrücken. Die Hand liegt dann direkt über einem Lüfter mit einem Heizelement. Dieses Heizelement heizt, wenn der Gegner Punkte macht, entsprechend auf. Zieht man die Hand zurück und gibt so die beiden Schalter frei, hat man das Spiel sofort verloren. Als weitere Feedbackmaßnahme gibt es noch eine Miniaturpeitsche, die auf den Handrücken schlägt. Wir spielen eine Weile an der Painstation, bis alle rote Hände haben. Ein toller Spielautomat!

Abends gehen wir nochmal in Kemkers Bauernstübchen essen. Am nächsten Tag ist Abreise. Beim Einpacken werfe ich eine der beiden in Soest gekauften Bierflaschen kaputt. Scheiße! Dann folgt nur noch die Rückreise gen Norden.

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