Kalimera Kos!

Wir waren Anfang des Monats sieben Tage auf Kos. Samstag früh morgens ging es direkt von Bremen in einem Airbus A319 der Germania los. Nach etwas mehr als drei Stunden landen wir auf dem Flughafen Kos-Hippokrates. Der Flughafen ist klein und hässlich, dafür hat man schnell seine Koffer.

Hotelpool

Sobald man sein Gepäck in Händen hält, schaltet man in den Urlaubsmodus und entspannt. 

Kommt man aus dem Flughafen, muss man sich nur zur Reisetante des richtigen Veranstalters begeben und bekommt die Nummer des Zubringerbusses zum Hotel genannt. Wir werden zu einem Kleinbus gelotst und haben nur noch eine weitere Familie, die mit uns fährt.

Vom Flughafen geht es Richtung Kardamena (OSM), welches 6 km entfernt liegt. In dem kleinen Örtchen biegen wir rechts ab, und steuern das Hotel Porto Bello Beach an. Von da an sind wir die einzigen Fahrgäste. Es geht zurück nach Kardamena und weiter zu unserem Hotel. Ungefähr 5 km außerhalb von Kardamena liegt unser Hotel. “Welcome to the World of Mitsis Hotels”, prangt groß über dem Eingang zum Hotel.

Strandbungalows

An der Rezeption vom Hotel ist ordentlich was los, es ist An- bzw. Abreisetag. Unser Zimmer ist leider noch nicht fertig und wir müssen warten. In dieser Zeit erkunden wir das Hotel. Blue Domes Exclusive Resort & Spa, ist riesig, der Pool, hab ich irgendwo gelesen, ist 650m lang. Wir entdecken die Pastry Corner und essen erstmal ein Eis. Nach einer Stunde gehen wir nochmal zur Rezeption und bekommen unsere Zimmerkarte plus einen Lageplan. Das Zimmer hat eine kleine Terrasse und liegt direkt an einem kleinen Pool.

Strand

Der erste richtige Urlaubstag, heute geht es an den Strand. Zuerst geht es aber auf den Berg zum Frühstück. Das Hauptrestaurant des Hotels liegt ganz oben am Hang und ist ein großer Fresstempel. Wir sitzen draußen auf der Terrasse und haben einen spektakulären Blick auf das Meer mit der Insel Nisyros.

Frühstückspanorama

Man muss ein wenig auf seinen Teller aufpassen. Bleibt dieser gefüllt zurück am Tisch, macht sich sofort eine Schar Spatzen über das Frühstück her. Gut trainierte Schwarmintelligenz.

Hotelpanorama

Nach einem ausgedehnten Frühstück reservieren wir uns einen Tisch beim griechischen Strandrestaurant. Am Strand gibt es vier kleine Restaurants, für die man Reservierungen benötigt, da hier die zur Verfügung stehenden Plätze begrenzt sind. Das Terminal wirft für die Woche nur noch wenige freie Plätze aus, aber wir finden für Dienstag Abend einen freien Tisch. Zimmernummer eingeben, ausdrucken, fertig. Wir gehen zurück ins Zimmer und machen uns fertig für den Strand.

Strand

Am Strand gibt es noch viele freie Plätze. Der Strand ist kiesig. Das Wasser ist eiskalt. Hinter uns liegen ein paar Engländer, ein Typ hat genau die gleiche Stimme wie Jeremy Clarkson von Top Gear. Vor uns kippen zwei Engländerinnen mittleren Alters ein paar Cocktails.

Die Getränke werden an die Strandliege gebracht, faulenzen in Reinstform. Es gibt eine Strandbar mit Getränken, Eis und Hotdogs und es wird ganz leicht im Hintergrund Bob Marley gespielt. So kann ich es aushalten!

Nach einer Weile am Strand tingele ich ein wenig durchs Hotel. Die Hotelangestellten sind damit beschäftigt die Anlage zu pflegen. Der Rasen kann nur mit Hektolitern Wasser in seinem grünen Zustand gehalten werden.

Strandliegen

Gegen 16:15 haben die beiden Engländerinnen das Klassenziel für heute erreicht. “One hour and we meet at the bar!” höre ich eine der beiden sagen. Probably not. Die beiden Engländerinnen bleiben übrigens die einzigen die auffallen.

Abends machen die Animateure fleißig Werbung für ihre Show. Es wird Grease aufgeführt. Der Ton kommt leider vom Band. Wir bleiben nicht lang und genehmigen uns an der Bar noch ein paar Cocktails.

Die nächsten Tage verbringen wir am Pool. Die Unart eine Liege mit einem Handtuch zu reservieren ist übrigens kein Alleinstellungsmerkmal der Deutschen. Hier ist sich Europa ausnahmsweise mal einig.  

Pool am Strand

An dem kleinen Pool, direkt vor unserer Zimmerterrasse ist eine kleine Poolbar und gegen 11:30 wird ein Grill aufgebaut. Der Grillmeister macht kleine Souvlaki Spieße. Leider ist der Pool nicht frei von Entertainment. Eine blonde Engländerin vom Animationsteam gibt mit einer sehr penetranten Stimme Anweisungen zum Water-Gym. Parallel lese ich im Buch Journeyman gerade von Indien, Buddhismus, betenden Mönchen und Entspannung. Verkehrte Welt. Diese halbe Stunde wünsche ich mich nach Indien…

In der Mittagshitze kommt dann alles zum Erliegen. Totaler Stillstand. Siesta. Herrlich!

15:45, die Animateurin ist zurück. Scheiße! Jetzt versucht sie zwei Frauen irgendwelche Tanzschritte beizubringen. Cha-Cha-Cha. Eigentlich müsste man das filmen. Als Tanzlehrerin ist sie leider sehr schlecht. Sie führt komplizierte Figuren vor, und die beiden Schüler kommen nicht ansatzweise mit. Der Genuss eines frisch gezapften Bieres bringt mein Toleranzlevel wieder auf 100%. Trotzdem noch eine Fachfrage: Was animiert zwei Damen mittleren Alters dazu in einer Hotelanlage Cha-Cha-Cha zu erlernen? Die Frage bleibt offen…

Pool by Night

Ah, noch eine Steigerung: die Tanzlehrerin macht jetzt ein Video ihrer Schützlinge. Hoffentlich stellt sie es bei YouTube ein!

Dafür gibt es an der kleinen Poolbar freies WLAN, super! Abends nach dem Essen wird Aladin als Show aufgeführt, der wir allerdings fernbleiben. Apropos Essen, irgendwie befinden wir uns in einer Art Zeitschleife. Im Restaurant lauft immer die gleiche CD und mir fällt besonders The Korgis “everybody’s got to learn sometime”. Nach ein paar Tagen sorgen solche Kleinigkeiten für den Verlust des Zeitgefühls. Welchen Tag haben wir heute?

Der nächste Tag. Beim Frühstück bringt uns der Grillmeister vom Pool den Kaffee. Do you remember me? Ich bin nicht sicher, ob es gut oder schlecht ist. dass er mich wiedererkannt hat. Habe ich zu viele  Souvlaki-Spieße gegessen? Ach egal, auf Nachfrage sagt er, er grillt jeden Tag am Pool. Entzückend!

Agia Panagia

Nach dem Frühstück verlasse ich die Gated Community und laufe ich aus der Hotelanlage heraus, den Berg hoch. Die südlichen Ausläufer der Dikeos-Gebirgskette sind hier zwischen 300 und 500m hoch. Kurz hinter der Hotelanlage gibt es eine kleine weiße Kapelle mit blauem Dach (OSM). Die kleine Kapelle heißt Agia Panagia (Heilige Mutter Gottes) und ist von 1881. Hier ist keine Menschenseele. Die Kapelle ist offen, der Schlüssel steckt von außen. Der Innenraum ist mit Ikonen verziert. Von oberhalb der Kapelle hat man einen spektakulären Blick auf das Hotel.

Panorama – Sicht von der Kapelle

Abends essen wir sehr lecker im griechischen Restaurant. Leider gibt es keinen Kanelada, den Zimtlikör. Schade.

Lurchi am Strand

Beim Frühstück sorgt the Korgis wieder für den Beginn der Zeitschleife. Danach Zeit am Pool. Mittags Essen im italienischen Restaurant, dafür entfällt der 15:00-Eisbecher.

Lost Place

Neuer Tag und wieder Beginn der Zeitschleife. Wir sind etwas spät am Pool, der Grillmeister baut schon sein Equipment auf, und erfreut damit mein Herz. Heute verlasse ich den Tagesablauf und laufe zwei Stunden durch die Berge. Ich starte an der kleinen Kapelle. Der Weg ist mit einem Zaun versperrt, der sich aber leicht öffnen lässt. Ein Bauer hat hier seine Ziegen laufen. Anscheinend hat man versucht, hier eine Straße zu bauen, das aber schon nach 200m aufgegeben. Alles liegt voller Geröll. Ich laufe bestimmt 3 km am Berg entlang. Die Aussicht von hier oben ist fantastisch. Am Horizont kann man das türkische Festland mit der Halbinsel Datca sehen. Auf der ganzen Tour treffe ich nur zwei weitere Wanderer. Aus den Hotels dringt Lärm zu mir hoch. Von den Ziegen ist weit und breit nichts zu sehen, nur Riesenameisen sind meine Begleiter. An der nächsten Kurve steht dann doch eine abgemagerte Ziege vor mir, meckert kurz und sucht dann das Weite. Ich finde ein paar versteinerte Bäume. Leider komme ich nicht auf die Bergkuppe. Es ist zu steil und zu gefährlich wegen dem losen Geröll. Also drehe ich um. Schaut man sich die Hotels von oben an, entdeckt man die Kehrseite der schönen heilen Mitsis-World. Eine wilde Müllkippe mit Schrott aus dem Hotel.

Müll

Morgen ist Abreise, die Woche schon wieder vorbei. Ich denke kurz darüber nach, was wir alles nicht gemacht haben. Wir sind nicht über die Insel gefahren, waren nicht in Kos-Stadt. Die Platane des Hippokrates wurde nicht von uns bestaunt. Wir haben nicht in der Embros Therme gebadet. Wir waren nicht in Kefalos. Wir haben uns nicht die Flamingos am Salzsee von Tigaki angesehen. Es gibt also noch Luft nach oben, beim nächsten Besuch.

Panorama vom höchsten Punkt der Tour

Am nächsten Morgen versucht die Zeitschleife zu starten, was ihr aber nur teilweise gelingt. Ein älteres Ehepaar feiert seinen 49. Hochzeitstag. Der Oberkellner bringt eine kleine Torte als Überraschung. Sie ist sehr gerührt und umarmt unter Tränen den Oberkellner. Schön.

Draußen auf dem Meer ist starker Wind. Eine kleine Fähre kommt von Mandraki (OSM) herüber und hat Schwierigkeiten den Hafen von Kardamena anzulaufen. Vor der Hafeneinfahrt dreht sie ab, und muss einen neuen Anlauf starten. Auf das Meer schauen, entspannt einfach unendlich.

Abreisetag. Die Sonne ist hinter einer durchgehenden Wolkendecke verschwunden. Ein letztes Mal die Zeitschleife. Ich setzte das Lied auf die Spotify-Playliste. Vielleicht kann ich so das Urlaubsgefühl auch zu Hause erzeugen. Mit Frühstücksende beginnt es zu regnen. Wir sitzen in der Lobby und warten darauf, dass der Regen aufhört. In der Regenpause laufen wir zum Pool. Leider wird das Wetter nicht mehr besser. Um kurz nach vier werden wir am Hotel abgeholt und zum Flughafen gebracht.

Wir haben fast drei Stunden Zeit bis der Flieger geht. Der Checkin ist ein einziges Chaos. Alles läuft hier sehr unkoordiniert.

Schlange am Flughafen

Irgendwann geht es dann doch voran und wir werden zu unserem Flugzeug gebracht. Einen Airbus A320 von Smallplanet. Von den 180 Sitzplätzen sind nur rund 40 besetzt. Herrlich viel Platz. Smallplanet ist die klassische No-Frills-Airline, für alles muss bezahlt werden. Nach ca. drei Stunden Flug landen wir bei 6 °C wieder in Bremen. Wir fahren mit der Straßenbahn nach Hause. Werder Bremen hat gerade den Klassenerhalt geschafft und in der Stadt ist die Sau los. Die letzten Meter nach Hause laufen wir im strömenden Regen, der sich wie Eisregen anfühlt. Inzwischen ist es 23:00 und wir fallen erschöpft ins Bett. Kali Nichta Bremen…

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