Kreta – Inseltour

Man kann nicht die ganze Zeit am Strand liegen, also haben wir uns ein Auto gemietet um die Insel zu erkunden. Der Plan ist es, eine kleine Tour durch die Berge nach Süden, Richtung Ierapetra zu machen. Gegen 08:00 kommt der Vermieter direkt ins Hotel und bringt uns einen weißen Hyundai I20. Wichtigste Ausstattung: die Klimaanlage!

Kapelle von Kritsa

Wir packen unsere Sache und sind abfahrbereit. Natürlich ist der Tank leer und wir müssen tanken. Die EKO-Tanke macht erst um 09:00 auf, und so heißt es warten. Dann geht alles sehr zügig und Frau Tankwart füllt für 30,- € Sprit in den Tank (1,65€/Liter). Wir starten auf der Schnellstraße (A90) nach Agios Nikolaos. Wir kommen gut vorran, natürlich mit den vorgeschriebenen 90 km/h! 😉

Kritsa

Unterwegs sind alle paar Kilometer festinstallierte Blitzkisten, die mit Schildern entsprechend angekündigt werden. Auf einem Parkplatz machen wir Fahrerwechsel, damit ich Fotos machen kann. Kurz vor Agios Nikolaos biegen wir rechts ab auf die Landstrasse nach Kritsa (OSM). Die Strasse ist gut ausgebaut, aber sehr kurvig. Nach 12km erreichen wir Kritsa. Der Ort ist schon touritisch erschlossen, so macht es jedenfalls den Eindruck. Es gibt die üblichen Souvenirgeschäfte. Trotzdem ist noch der Charme des Bergdorfes erhalten. Natürlich nicht so wie 1956, als hier Teile des Films “Der Mann der sterben muss” mit Gerd Föbe gedreht wurden.

Mitten im Ort kommen uns zwei LKw entgegen und wir passen gerade so eben aneinander vorbei. Wir fahren zur kleinen Kapelle hoch und ich schieße ein paar Fotos.

Kitsa aus der Ferne

Es geht weiter. Wir verlassen Kritsa Richtung Süden, unser nächstes Ziel ist Kroustas (OSM). Das Örtchen Kroustas ist klein und verschlafen. In der Dorfmitte sitzen ein paar alte Leute im Schatten, ansonsten scheint hier nichts los zu sein. Hinterher lese ich dann im Reiseführer, dass in Kroustas im September/Oktober Schnaps gebrannt wird, und ein leichter Raki-Duftschleier über dem Dorf liegt. Tja, richtiger Ort, falsche Zeit. Wir stoppen hier nicht sondern fahren weiter nach Prina. Zwischen Kroustas und Prina ist die Straße einsam und verlassen, uns begegnet kein anderes Fahrzeug. Irgendwie ist hier einfach nur Wildnis. Außerdem geht es immer weiter nach oben in der Berge. Die Straße wird immer mehr zu einem Gebirgspass, ist aber immer noch einwandfrei asphaltiert. Wir müssten eigentlich schon auf 800m über dem Meeresspiegel sein.

Wasserverteiler

Gelegentlich sieht man Wasser aus irgendwelchen alten Wasserleitungen fliessen. Hier tummeln sich wilde Bienen. Die Wasserversorgung ist übrigens sehr interessant. Links und rechts der Strasse sieht man schwarze Wasserleitungen. Die führen dann zu einem Verteiler mit einer Batterie von ca. 20 Wasseruhren, die das Wasser an die einzelnen Häuser verteilen.

Road to Nowhere

Ansonsten ist es hier sehr einsam. Der Hyundai mit seinen fünf Hochgebirgsgängen und die Fahrerin schlagen sich tapfer durch die Berge. Unterwegs treffen wir einen Kleinlaster, der uns an einer passenden Stelle vorbeifahren lässt.

Steil den Berg hoch

Dann wechselt der Straßenbelag und wir fahren auf einer schmalen Schotterpiste. Auf der rechten Seite geht es steil nach oben, auf der linken Seite geht es in den Abgrund. Vor dem Absturz bewahrt uns nur ein Meter Platz und eine Leitplanke.

Prina

Wir erreichen Prina (OSM). Endlich wieder Zivilisation. Prina erkennt man an der kleinen Kapelle die auf einem Berg, der sich über das Dorf erhebt. Nach einen kleinen Fotostopp geht es weiter nach Kalamafka. Die Strasse ist zum Glück wieder asphaltiert, dafür gibt es jetzt schöne Serpentinen und man fühlt sich wie in einem Karl-May-Film. Es gibt sehr bizzare Felsformationen.

Taverne in Kalamafka

Kalamafka (OSM) ist ein sehr verschlafener Ort und liegt auf 450m Höhe. Man sieht keine Einwohner. Wir parken den Wagen und laufen zum Dorfplatz. Von hier aus führen 225 Stufen zur Kapelle Timiu Stavrou hinauf. Natürlich wollen wir hier rauf! Oben angekommen hat man einen sehr schönen Bilck auf das Dorf. Die Kapelle ist in den Felsen eingelassen, klein und unspektakulär. Leider kommt man nicht ganz bis zum Gipfelkreuz hinauf. Wir geniesen die Aussicht und ich mache ein paar Fotos. Dann geht es wieder die 225 Stufen hinab. Unten am Treppenaufgang ist direkt eine kleine Taverne. Wir sitzen draußen unter Olivenbäumen und trinken griechischen Mokka.

Kapelle in Kalamafka

Der Wirt ist sehr freundlich, und wir sitzen eine ganze Weile dort. Wir zahlen vier Euro für alles und fahren wieder weiter.

Panorama von Kalamafka

Der nächste Ort auf unserer Route heißt Anatoli (OSM). Die Straße schlängelt sich eng an den Bergen entlang. Anatoli ist das letzte Bergdorf auf unserer Tour, dann geht es runter zur Südküste Kretas. Vorher hat man einen spektakulären Blick auf die Umgebnung von Ierapetra und das Libysche Meer. Die Gegend um Ierapetra ist komplett mit Gewächshäusern bedeckt. Einzig der Bramiana Stausee (OSM) unterbricht die mit Plastikfolie bedeckte Ebene. Wir fahren durch diverse Serpentinenschleifen und verlieren schnell an Höhe. Die Strasse führt durch Kalogeri und danach durch endlose Reihen von Gewächshäusern, die komischerweise alle leer sind. Die Küstenstrasse führt kilometerlang geradeaus, direkt nach Ierapetra.

Gewächshäuser rund um Ierapetra

Die Innenstadt von Ierapetra (OSM) hat viele Einbahnstrasse und ist sehr verwinkelt. Wir kommen direkt am Stadtstrand heraus und finden einen Parkplatz direkt auf der Mole. Handbremse anziehen nicht vergessen! Der kleine Stadtstrand ist dunkler als an der Nordküste und mehr ein Kiesstrand. Dafür die das Wasser schön klar. Es weht ein angenehmer Wind. Hier an der Südküste ist es wärmer als im Norden. Liegt das an der Nähe zu Afrika? Tobruk in Libyen liegt nur 200 Seemeilen entfernt.

Festung in Ierapetra

Wir laufen durch die Innenstadt. Es gibt die üblichen Geschäfte, nichts besonderes. Wir laufen Richtung Altstadt. Am südlichsten Zipfel der Stadt befindet sich eine venezianische Festung.

Südlichste Stadt Europas

Die Festung, das südlichste Bauwerk in der südlichsten Stadt Europas. Die Hitze setzt uns ganz schön zu und wir beschließen eine Kleinigkeit zu trinken. Also laufen wir zurück zur Promenade. Dort setzten wir uns direkt in eine Taverne an der Hafenkante. Wir bestellen eine Kleinigkeit zu essen und was zu trinken. Der Wirt ist sehr aufmerksam und freundlich. Es sitzen noch ein paar Einheimische in der Taverne und spielen Karten. Außerdem sitzen hier noch zwei Papageien, die wahrscheinlich griechische Schimpfworte zum besten geben.

Griechisch schimpfender Papagei

Ein kurzer Windstoss fegt die auf dem Tisch abgelegte Sonnenbrille ins Meer. Scheiße! Der Wirt kommt zwar gleich mit einem größeren Harken an einer Angelsene, aber es gelingt ihm nicht die Brille zu fischen. Ins Wasser steigen kann man auch nicht, da man nicht wieder auf die Kaimauer hoch kommt. Pech gehabt. Danach nehme ich Kamera und die Tasche mit dem Autoschlüssel und sichere beides gegen Absturz. In einem Laden in der Nähe kaufen wir für 6,-€ eine neue Sonnenbrille für die hochgebirgserprobte Fahrerin.

Brille im Lybischen Meer

Da wir noch ein wenig baden wollen, beschließen wir von Ierapetra aus weiter nach Osten zu fahren in die Bucht vom Agia Fotia. Der Reiseführer sagt was von einer tollen Badebucht. Wir fahren die Küstenstrasse entlang, die direkt an der Bucht liegt. Es führt ein schmaler Schotterweg sehr steil zum Strand hinunter. Links und rechts parken gelegentlich Autos. Wir können nur Schritttempo fahren. Unten am Strand (OSM) ist eine schöne Strandbar, davor ein Parkplatz. Der ist leider proppenvoll. Uns bleibt nichts anderes übrig als hier abzubrechen und uns einen anderen Strandabschnitt zu suchen. Auf dem kleinen Parkplatz wende ich den Wagen in gefühlten zwanzig Zügen. Dann kommen noch zwei Fahrzeuge von oben und wir kommen gerade so aneinander vorbei. Ich fahre mir fast den Spiegel ab. Auf dem steilen Weg nach oben würge ich den Wagen ab. Der kleine Hyundai rollt ein wenig zurück und ich habe viel Glück, dass der Wagen hinter mir nicht so dicht aufgefahren ist. Die Nerven liegen schon leicht blank. Wir quälen uns den Weg nach oben zur Küstenstrasse. Ein paar Kilometer wieder zurück Richtung Ierapetra finden wir westlich von Ferma einen schönen Strand. Das Meer ist hier an der Südküste schön klar, der Strand bestehlt allerdings aus Kies. Wir machen uns auf den Liegen eines Hotels am Strand breit. Gelegentlich wird die Windstille durch einen kleinen Luftzug unterbrochen. Man hat das Gefühl als steht jemand mit einem Heißluftfön nebenan. Wir halten uns hier eine Stunde auf, dann brechen wir wieder auf. Unser Route führt uns quer durch die schmalste Stelle der Insel wieder zurück an die Nordküste. Nach 12km erreichen wir Pachia Ammos. Von hier hat meinen eine fantastische Aussicht auf den Golf von Mirabello.

Golf von Mirabello

Wie fahren die ‘Old Road’ Richtung Agios Nikolaos. Man kommt an tollen Badebuchten vorbei.

Panorama – Golf von Mirabello

Wir kommen in Agios Nikolaos an und finden am Hafen einen Parkplatz (allerdings 4€/3h). Wir lufen in die Stadt. Einigermaßen fanszinierend finde ich die Läden, die hier Pelzmäntel verkaufen. Die Schilder sind auf kyrillisch, für die primäre russische Zielgruppe. Anonsten gibt es Läden mit Ikonen und Holzschnitzereien. Mitten in der Stadt liegt der Voulismeni-See. Läuft man an die Süd-West-Seite habe man einen tollen Blick auf die Stadt und auf den Kanal, der den See mit dem Meer verbindet.

Promenade am See

Wir wollen etwas essen und setzen uns in ein Restaurant an der Seepromenade. Es gibt Hähnchengyros, Souflaki, Knoblauchbrot und Tzaziki. Gestärkt treten wir den Rückweg zum Auto an. Es dauert eine Weile bis wir uns aus der Stadt gequält haben.

Blick auf den Verbindungskanal zum Meer

Auf der Schnellstrasse E75 fahren wir zurück Richtung Iraklion. Die Strasse ist stockfinster, nur einzelne Abfahrten sind beleuchtet. Die Einheimischen fahren recht zügig, die wissen halt wie es hinter der nächsten Kurve aussieht. Gelegentlich tauchen in der Dunkelheit gelb blinkende Lampen auf. Die zeigen einen festinstallierten Blitzer an. Kurz vor Malia biegen wir von der Schnellstrasse ab und fahren auf die Landstrasse. Wir kommen durch Malia. In Malia ist ordentlich was los, überall ist Party. Wir verlassen Malia auf der El. Venizelou nach Westen. Nach ein paar Kilometern sind wir wieder an unserem Hotel und fallen erschöpft in die Betten.